Ein Wandteppich aus Budenheim in Ruanda

Kinder der Klasse 4c hören Neuigkeiten vom Partnerland

Es hängt ein Wandteppich mit den Abdrücken ihrer Hände im Familienzentrum Mu rugo in Kigali! Eines der über 60 Fotos von Anette Diehl beweist es. Die Budenheimerin besuchte das rheinland-pfälzische Partnerland im Januar diesen Jahres zum drittem Mal. Die Kinder der Klasse 4c der Lenneberg-Grundschule Budenheim hören und schauen aufmerksam. Mit dem Bildervortrag vor den Sommerferien endet der vierjährige Kontakt der Klasse 4c mit dem Familienzentrum in der Landeshauptstadt Ruandas.

Begonnen hatte dieser im Mai 2009 als Anette Diehl der damaligen Klasse 1c der Grundschule Budenheim einen Bildervortrag über das Leben von Kindern in Ruanda hielt. Gemeinsam mit der damaligen Klassenlehrerin Eva Grass gestaltete sie diesen „Blick in die Ferne“. Die Kinder hatten daraufhin Bilder von ihrem Leben gemalt und nach Ruanda geschickt und wiederum Post von dort erhalten.

Diesmal organisierte Klassenlehrerin Viola Schlüter zum Schuljahresabschluss die Bilderreise zu Kindern in Ruanda: „Mich interessiert das Leben im fernen Afrika selbst und mir ist es wichtig, dass Kinder sehen, dass es ganz andere Probleme auf der Welt gibt, als die, die wir in Deutschland haben.“ So sei es für die Kinder interessant gewesen, wie wenig Material und Spielsachen den Kindern in Ruanda zur Verfügung steht, wie groß die Familien sind und wie viel Kinder schon mithelfen.

„Dort freuen sich die Kinder, in die Schule gehen zu können oder mal Langeweile zu haben,“ äußert sich Karla Glomb (10) ein wenig erstaunt nach dem Vortrag. Die Schulpflicht in Ruanda wurde vor zwei Jahren von 6 auf 9 Jahre erhöht und soll nun auf 12 Jahre steigen. Das ist eine Chance für viele ruandischen Jugendlichen, denn nur die Schul-Pflichtjahre sind kostenlos. Danach kostet der Schulbesuch Geld. Das können sich nicht viele Familien in Ruanda leisten. In Ruanda leben über 10 Millionen Menschen auf kleinem Raum. Fast Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahren – da spielt Bildung naturgemäß eine wichtige Rolle.

Das Ruanda-Referats des Innenministeriums und der Ruanda-Verein hatten den Kontakt unterstützt und beim Transport von Bildern und Material geholfen. So gelangten in der Vergangenheit Bilderpäckchen mit Papier und Farbstiften ins Partnerschaftsbüro in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Dort ist der Sitz des Familienzentrums „Mu rugo“ in dem Kinder und Jugendliche betreut werden und Ausbildungsgänge für Frauen stattfinden.

„Solidarität heißt ´Füreinander einstehen´ und das können Kinder schon früh lernen,“ wiederholt Anette Diehl ihren Leitspruch für den Schulkontakt. Die kleine Aktion zeige im Grunde die Idee der rheinland-pfälzischen „Graswurzelpartnerschaft“

Auf die Frage, was anders ist in Ruanda, wird viel über die tägliche Arbeit von Kindern aber auch über unterschiedliche Hautfarben gesprochen. Was sich die Kinder in Ruanda wohl wünschen? „Mit ihrer Familie und ihren Freunden zusammensein,“ sagt ein Zehnjähriger. In diesem Punkt haben die Kinder in der Welt wiederum viel gemeinsam. 

(Text / Fotos: A. Diehl)