Live-Schaltung quer durch Europa

NETZWERK Budenheimer Lennebergschüler kommunizieren via Satellit mit Italien, Slowenien und England

„Darja, can you hear me?“, ruft Schulleiter Helmut Wagner dem Smartboard entgegen. Auf der interaktiven Tafel läuft das Videotelefonie-Programm Skype. Im neuen Satelliten-Kommunikationsraum der Lennebergschule warten die Schüler gespannt, während die Videos auf der Tafel laden und bis die Verbindung nach England, Italien und Slowenien hergestellt ist.

„Yes!“ tönt es schließlich aus den Lautsprechern und Darja, die Lehrerin im slowenischen Benedikt ist, winkt mit ihren Schülern freundlich in die Kamera. Auch die Live-Schalte zur Nightingale Academy in London steht, und nach kurzzeitigen Mikrofonproblemen melden sich auch die Schüler aus dem italienischen Altamura.

Als erste Schule in Deutschland kommuniziert die Lennebergschule via Satellit im Rahmen des Comenius-Programms der EU mit Schulen in drei anderen europäischen Ländern. Hierfür nutzen sie den leistungsstärksten Satelliten Europas, KA-SAT. Für den schnellen Breitband-Internetzugang hat Eutelsat in Zusammenarbeit mit der Sat Internet Services GmbH dafür gesorgt, dass ein Breitbandsystem, bestehend aus einem Modem für den Anschluss der Computer und einer Satellitenantenne, installiert worden ist.

„So können die Schüler mit einer Geschwindigkeit von zehn Megabit pro Sekunde im Internet surfen und eigene Daten mit bis zu vier Megabit versenden. Das ist etwa viermal so viel wie mit einem DSL-Anschluss“, erklärt Pressesprecher Thomas Fuchs. Außerdem könnten sie nun mit Schulen in Regionen kommunizieren, die noch nicht über einen herkömmlichen Breitbandinternetzugang verfügen.

Das satellitengestützte Netz soll dafür genutzt werden, dass die Schüler zusammen Englisch lernen und sich austauschen können. „Alle zwei Wochen soll es eine gemeinsame Schulstunde geben“, berichtet Rektor Wagner. Dafür dürften die Schüler aller Klassen der Realschule plus auch mal den regulären Unterricht „schwänzen“.

„What is the weather like in England?“, fragt Yesim in die Kamera. „Bewölkt und 6 bis 15 Grad warm“ lautet die Antwort in schönstem britischen Akzent. In Italien ist sonnig und windig und in Slowenien auch recht mild. „Das hat total Spaß gemacht“, sagt die Sechstklässlerin, nachdem Schulleiter Wagner die Skype-Verbindung nach dem ersten Testlauf wieder gekappt hat. Im Videofenster hat sie sogar ein paar Kinder gesehen, die sie beim Comenius-Austauschprogramm schon einmal persönlich getroffen hat.

Der Kontakt zu den Schulen besteht schon lange, den Kontakt zu Eutelsat hat der ehemalige Schulelternbeiratsvorsitzende Niels Heinziger, dessen Agentur für die Firma wirbt, hergestellt.

Als nächstes reisen die Budenheimer nach Polen – auch die Schüler dort sollen bald an dem internationalen Projekt teilnehmen. „Außerdem planen wir, noch eine Schule auf den Kanaren und eine in Malta in unser Netzwerk aufzunehmen“, sagt Wagner.

(Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz, 15.03.12)